Topf und Deckl

Ein Reis(e)block

ARGENTINIEN

Im Land der Empanadas und der bunten Berge.


Buenos Aires

Anfang zweite Hälfte März. „Zeit ist ein (seeehr) dehnbarer Begriff…“

So holprig wie in Argentinien sind wir bisher noch nie gestartet. Zuerst einmal sind da zwei Flüge mit Avianca von Mexiko City nach Bogota und im Anschluss nach Buenos Aires. Matthias, der sich wie ein Löwe im Wellensittichkäfig fühlt, ist in Rage über die erlebte Steigerung an Unbequemlichkeit und Unverschämtheit. Wenn man nicht einen der sogenannten „Plus-Sitze“ mit Kopfstütze, Neigungsmechanik und 3cm Beinfreiheit bucht, die bei anderen Fluglinien als ganz normaler Economy-Sitz verkauft werden, muss man bei einem 6-stündigen Nachtflug ein geübter Aufrecht-Schläfer mit kurzen Beinen sein, um überhaupt zu ein wenig Erholung zu kommen. Zudem gibt es wieder mal kein Essen, sondern nur kaufbare Snacks (eh nix Neues) und nicht mal gratis Wasser. Wir fragen uns mittlerweile, wann man bei diversen Fluggesellschaften eine Gebühr für die Nutzung der Flugzeugtoiletten einführen wird. Aber gut, nach einer Flugnacht mit ungefähr einer Stunde schlechtem Schlaf pro Nase und dem Wissen, dass wir laut GoogleMaps ca. 2 1/2  Stunden mit den Öffis zu unserer Unterkunft im Stadtkern brauchen, verlassen wir um 6:45 Uhr noch bei Dunkelheit das Flughafengebäude, um festzustellen, dass es wie aus Eimern schüttet. El Niño – wie wir später erfahren – empfängt uns mit einer „Welle“ an Umarmungen. Also zuerst mal Regenjacken an, Rucksäcke mit Regenschutz übergezogen und raus in die Fluten.

An der Bushaltestelle warten wir dann eine durchaus lange Weile auf die richtige Busnummer und fragen nach vergeblicher Warterei einen einheimischen Wartenden, ob er wisse, ob unser Bus hier überhaupt vorfahren würde. Dieser rät uns, noch ein bisschen länger zu warten, aber als auch 20 Minuten später noch immer nicht der richtige Bus auftaucht, halten wir einfach einen x-beliebigen Bus an, fragen dort noch mal nach und bekommen die Auskunft, einfach den nächsten Bus mit der Nummer 8 zu nehmen, den wir bisher bei GoogleMaps nicht angezeigt bekommen haben. Gesagt, getan. Wir fahren also ins Zentrum und hüpfen dort mit unseren Flipflops an einer Haltestelle in das bereits knöchelhoch in den Straßen fließende Wasser raus, um zur nahegelegenen U-Bahnstation zu schwimmen. Nachdem auf unserer zuvor am Flughafen gekauften Öffi-Karte aufgrund schlechter Aufladeberatung nicht mehr genügend Guthaben ist, ist unser erstes Ziel eine Kartenaufladestation. Leider sind aber an diesem Hauptumsteigeplatz von Buenos Aires alle (!) Automaten „Fuera servicio“ (Out of order) und bei den Schaltern mit menschlicher Aufladehilfe ist ausschließlich Bargeldzahlung möglich. Also gut, das heißt dann wohl oder (in Argentinien viel eher) übel: Geld abheben. Aufgrund der Informationen, die man im Internet zu argentinischen Banken und horrenden Transaktionsgebühren so findet, wollten wir das eigentlich vermeiden. In unseren nassen Flipflops watschelnd wir quietschend zu der nahegelegenen Kleingruppe an Geldautomaten. Entsprechend unserer Glückssträhne will uns natürlich kein einziger der 3 Geld ausspucken. Ein Stockwerk tiefer finden wir dann aber doch noch einen Automaten, der funktioniert. Maximaler Abhebebetrag: 30 Euro. Gebühr für die Transaktion: 9 Euro! Die 2 ½ Stunden sind im Übrigen mittlerweile auch schon längst vorbei. Zumindest bleibt uns somit weniger Zeit, die wir bis zum Check-in überbrücken müssen.

Übermüdet und komplett nass, laden wir unsere Karte anschließend mit den überteuerten Pesos auf und kriechen hinab zu unserer U-Bahnstation, in der das Wasser bereits aus den Wänden gedrückt wird. 10 U-Bahnstationen später, tauchen wir aus dem U-Bahn-Kanal zurück auf die überschwemmte Straße auf. Mittlerweile ist Sabrinas Handyakku leer und Matthias hat Probleme, ein GPS-Signal zu empfangen. Da braucht man EIN MAL ernsthaft sein Handy und muss feststellen, dass man mit einem „old school“ Stadtplan vermutlich besser dran wäre. In einem Supermarkt versucht Sabrina irgendwie die Adresse der Unterkunft aus den erschöpften Kammern ihres Matschhirns zu zaubern und stößt dabei auf unglaublich hilfsbereite Supermarktmitarbeiter, die uns das letzte Stückchen unserer Route dann sogar noch ausdrucken. Ein Hoch auf Papierstadtpläne. Zwischenzeitlich hat unsere Gastgeberin übrigens ihre Mutter für die Schlüsselübergabe zur U-Bahn-Station geschickt. Das lesen wir aber erst, als Sabrinas Handy sich an der Powerbank ausreichend gelabt hat und wir bereits vor der Wohnung stehen. Die Gastgeberin schickt ihre Mutter nun also wieder zurück zur Wohnung, wo diese vermutlich zuvor bereits auf uns gewartet hatte. Während sie uns mit unseren aufgeweichten Füßen in die Wohnung lässt, hält sie sich ein Taschentuch ans blutende Kinn, das sie sich zuvor auf der rutschigen nassen Straße aufgeschlagen hat. Wir sind wohl nicht die einzigen mit einem besch***enen Tag. Den restlichen Tag verbringen wir aber zur Sicherheit einfach nur unter der Decke.

An Tag zwei sieht schon alles etwas besser aus. Die Sonne scheint und wir spazieren durch das künstlerische Viertel Palermo – eigentlich mit dem dringlichen Ziel, neue Schuhe für Sabrina und eine lange Hose für Matthias zu kaufen. Die Mission wird nach dem Kauf 3 neuer T-Shirts aber vorzeitig wieder abgebrochen. Am Abend treffen wir uns dann mit Sabrinas ehemaliger Arbeitskollegin Vero und genießen zuerst himmlisch leckere Rindersteaks, bevor wir in die Welt des argentinischen Tangos abtauchen – aber nur zum Zuhören, nicht zum Tanzen. In der urigen, über 130 Jahre alten Tangobar, die eine echte Institution in Buenos Aires zu sein scheint, lauschen wir der leidenschaftlich vorgetragene Livemusik, die begleitet wird von vielerlei „Pssscht“, sobald eine:r der Barbesucher:innen etwas zu laut spricht, sowie vom erbosten Schimpfen des Barkeepers, der eine randalierende Rollstuhlfahrerin, die den Leuten in der Bar mit freudiger Absicht über die Füße fährt, wie einen streunenden Hund mit einer Sprühflasche aus der Bar verscheucht.

An den restlichen Tagen lassen wir Buenos Aires einfach auf uns wirken, indem wir zu Latinorhythmen mit öffentlichen Bussen, die teilweise mit elfenbeinfarbenen Polsterungen an den Innenwänden oder pelzigen Spiegelumrandungen, durch die Straßen gondeln und dabei feststellen, dass unser Erlebnis von Tag 1 hinsichtlich der Verlässlichkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln keine Ausnahme war. Entweder die Busse lassen bis zu einer Stunde auf sich warten, sie kommen einfach gar nicht oder wenn man dann endlich freudig von der Wartebank aufspringt, weil der Bus oder Zug mit der passenden Nummer näher kommt, zischen sie einfach ohne Anzuhalten an den an der Haltestelle Wartenden vorbei. Termine oder zeitlichen Stress darf man hier jedenfalls nicht haben. Aber so eine Großstadt ohne Hektik – und im Übrigen auch ohne große Menschenmassen – hat natürlich auch was Positives. Beim Spazieren durch die Stadt erfreut sich besonders Matthias über diese Stadt „mit Hochkultur“, die sich seiner Meinung nach an den breiten Gehwegen, den in 100m-Abständen auffindbaren Mülleimern und an kostenlos zugänglichen Sanitäranlagen festmachen lässt. Einige Merkmale, die uns in den letzten Wochen sehr häufig gefehlt haben.

Sehr bald nachdem wir uns darauf geeinigt haben, dass uns vieles hier sehr europäisch vorkommt, und vor allem die Gesichter und das übermäßige Pizzenangebot einen starken italienischen Einfluss vermuten lassen, bestätigt uns dies der Tourguide Martín unserer Free Walking Tour. Einwanderungswellen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts hatten haufenweise Italiener:innen angeschwemmt. Zudem hatten diverse Regierungen und die reichen Familien Buenos Aires ein starkes Bedürfnis „sophisticated“ zu wirken, wodurch man sich vor allem architektonisch zu einer Mischung aus diversen französischen und italienischen Baustilen hinziehen ließ, sodass sich so manches Gebäude keiner Epoche oder keinem konkreten Stil zuordnen lässt. Oder wie es Martín so schön formuliert hat: „In this city you can find architectonic jewels right next to architectonic crimes“. Neben dem Tipp, dass man in Argentinien ja nicht glauben solle, dass Ampeln mehr seien, als eine Verkehrsempfehlung, oder dass man hier eine:n Autofahrer:in beim Überqueren der Straße zum Abstoppen zwingen könne, erfahren wir auch Einiges über das jahrzehntelange politische Desaster in Argentinien. Dies hat zeitweise zu einer 265%-igen (!!) Inflation geführt hat, so dass zu Martíns Kindheitserinnerung Erlebnisse zählen, in denen die Preise in Supermärkten nicht mehr angeschrieben, sondern nur mehr per Lautsprecher durchgeschrien wurden, und seine Mutter mit ihrem Einkauf regelrecht zur Kassa rennen musste, um nicht mehr zu bezahlen, als vor 3 Minuten noch angesagt wurde. Das erklärt uns natürlich auch die vielen mit Gitter und mehrfachen Absicherungen versehenen Kioske oder die vielen Sicherheitsbeamten in jedem Geschäft.

Wie in Mexiko City aufgrund der hohen Kriminalitätsrate, so sind wir auch in Buenos Aires, wo Menschen inflationsbedingt von einem Tag auf den anderen auf der Straße landen, und wo wir von vielen Seiten darauf aufmerskam gemacht wurden, unsere Rucksäcke in Bussen und U-Bahnen immer bauchseitig zu tragen, unsere Taschen in einem Café oder Restaurant immer in unmittelbarer Nähe zu haben, sowie unser Handy niemals zu locker in der Hand zu halten, ist man dann in manchen Gegenden auch froh, wenn alle 50m ein:e schwerbewaffnete:r Polizist:in herumsteht. Umso unwohler fühlt man sich aber, wenn man sich in Vermeidung der Geldautomatensituation sein Geld bei der Western Union abholt – ein weiteres kleines Erlebnis der besonderen Art. Nachdem Argentinien ein absolutes Bargeld-Land ist, in dem viele Geschäfte bei Bargeldzahlung 10% Rabatt geben, bei Bezahlung mit der Kreditkarte oft eine Gebühr von 10-15% verlangt wird und argentinische Banken horrende Gebühren für Bargeldabhebungen verlangen, überweist man sich hierzulande als internationaler Tourist sein Geld am besten selbst zur Bar-Abholung bei der Western Union. Auch wenn wir wussten, dass man selbst bei vollgeladenen Geldautomaten oft nur Maximalbeträge von 40-50 Euro ausgezahlt werden, hatten wir nicht bedacht, dass auch Western-Union-Filialen (mitunter genau aus diesem Grund) in ständiger Bargeldnot sind, so dass sich eine Auszahlung von 200 Euro bzw. 230.000 Pesos fast wie ein Banküberfall anfühlt. Und das in einem Land, wo Lebensmittel, Restaurantbesuche oder Kleidung nicht übertrieben viel günstiger sind als bei uns, und das Geld daher auch schnell wieder verbraucht ist. Hinzu kommt noch eine weitere Besonderheit durch die Inflation: die momentan höchste Banknote ist ein 2.000-Peso-Schein, auf den man aber nur selten stößt. Uns vor möglichen Beobachter:innen gegenseitig abschirmend stecken wir also unsere zehn 2.000-Peso-Scheine, hundertachtzig (!) 1.000-Peso-Scheine, zwanzig 500-Peso-Scheine und einhundert (!) 200-Peso-Scheine in unseren Rucksack und treten mit mulmigen Gefühl wieder hinaus auf die Straße. Auf das Nachzählen der Scheine haben wir diesmal liebend gerne verzichtet. Wie dem auch sei: Trotz der angeblich überall lauernden Gefahren, verlassen wir Buenos Aires am Ende ohne jegliche Verluste.

A crown for the king! A crown for the king!
Trendsetter. Trendsetter.
¡Hola, el Niño! ¡Hola, el Niño!
Meister Proper. Meister Proper.
Palermo. Palermo.
Asado. Asado.
El Boliche de Roberto. El Boliche de Roberto.
Kokabrina. Kokabrina.
Free Walking Tour. Free Walking Tour.
Nestbeauftragte. Nestbeauftragte.
Raue Oberflächen gegen Pickerlmassen? Raue Oberflächen gegen Pickerlmassen?
Jedes Eck ein anderer Stil. Jedes Eck ein anderer Stil.
San Telmo. San Telmo.
Alfajores und Torta Rogel. Alfajores und Torta Rogel.
Parrillada - immer und überall! Parrillada - immer und überall!
Lomo de Bife, Morcilla & Chorizo. Lomo de Bife, Morcilla & Chorizo.
Abschiedstee. Abschiedstee.

Puerto Iguazu

Ende März. „Wasseeeer marsch!“

Nachdem Sabrina auf der 19-stündigen Busfahrt, für die wir uns in der Hoffnung auf ein bisschen mehr Schlafkomfort so etwas wie Business-Class-Sitze geleistet haben, ungefähr 24 Mal mit ihren Haaren in diversen Klettverschlüssen hängen geblieben ist, landen wir zu Beginn der Semana Santa (Osterwoche) in Puerto Iguazu. Unerwarteterweise sind wir sogar 15 Minuten vor der Uhrzeit auf unserem Busticket angekommen – jetzt wissen wir auch, dass die digitale Anzeige im Bus, die nahezu durchgehend „Exceso de velocidad“ (Überhöhte Geschwindigkeit) angezeigt hat, kein Scherzartikel war. Viel ist in Puerto Iguazu bei unserer Ankunft nicht gerade los. Das Dörfchen besteht aus einer Hauptstraße mit einigen Restaurants und Souvenirshops, einer Tankstelle und einem Busbahnhof, von dem aus man innerhalb einer halben Stunde nach Paraguay sowie nach Brasilien reisen kann. Das war’s auch schon. Nach einer kleinen Stärkung wackeln wir mit unserem Pinkel Richtung Unterkunft. Dort angekommen werden wir von 5 kleinen Wächterdackeln erstmal ordentlich bekläfft, dann beschnuppert und nachdem uns unser Gastgeber Carlos begrüßt hat, unentwegt zum Streicheln aufgefordert. So wie das Dorf selbst sind auch die Unterkünfte mit ihrem Bettwäschendesign, das an die europäischen 60er erinnert, äußerst einfach – abgesehen von den vereinzelten und absolut überteuerten Resorts.

Carlos rät uns jedenfalls direkt nach unserer Ankunft, die erste Tour der Iguazu-Fälle am besten sofort anzutreten, da seiner Erfahrung der letzten Jahre gemäß, der Ort und der Nationalpark in den kommenden Tagen vor lauter Tourist:innen aus allen Nähten platzen werde. Also fix unter die kalte Dusche und auf geht’s zu Naturweltwunder Nr. 2 auf unserer Reise. Mit einem stinknormalen öffentlichen Bus hoppeln wir also zur brasilianischen Grenze, steigen für die Passkontrolle kurz aus und werden dann vom Busfahrer wieder eingesammelt. Im brasilianischen Nationalpark erwartet uns dann eine ziemlich beeindruckende Naturkulisse mit Panoramablick auf die Wasserfälle und vor allem auf die tobende Teufelsschlucht, die momentan nur von brasilianischer Seite zugänglich ist. Das „eindringlichere“ Iguazu-Erlebnis haben wir dann aber am nächsten Tag, wo wir auf argentinischer Seite das Glück haben, dass wir aufgrund kurzfristiger Stornierungen noch genau 2 Plätze bei der eigentlich seit einer Stunde ausgebuchten Bootstour auf dem wilden Iguazu-Fluss bekommen, bei der wir in der Gischt der Fälle bis auf die Unterhosen durchgenässt werden. Nach einem Kleidungswechsel (jap – wir waren auf die Dusche vorbereitet) betrachten wir die Wasserfontänen und -becken dann noch bei zwei verschiedenen Rundgängen durch den Nationalpark, so dass wir am Ende die Iguazufälle aus nahezu allen Perspektiven gesehen haben: von links und rechts, von vorne und hinten, von oben drüber, unten vorbei und von mittendrin.

An den weiteren Tagen in Puerto Iguazu, an denen man sich laut diverser Quellen vom Nationalpark fernhalten solle, weil dieser an den Osterfeiertagen der lokalen Bevölkerung als Partymeile diene, suchen wir dann einfach kleinere Wasserfälle in der Umgebung auf. Die lokalen Busse würden stündlich dorthin fahren, teilt uns Carlos mit. Auf unsere ohnehin bereits vage Frage, ob wir uns eher gegen Punkt oder Halb zu einer Haltestelle begeben sollen, hebt Carlos in einer gemischten Geste aus „Entschuldigung, aber das weiß ich nicht!“ und „Euch ist bewusst, dass es hier keine Uhrzeiten gibt?“ die Schultern und merkt lachend an, dass wir nicht vergessen sollten, dass wir hier nicht nur in Südamerika sind, sondern noch viel schlimmer: in Argentinien. So haben wir an einem unserer Ausflugstage zufällig Glück und erwischen den Bus nach 5 Minuten Wartezeit und sitzen dafür an einem anderen Tag über 1 Stunde in der glühenden Sonne bis der „stündliche“ Bus uns abholt. Mit diesen nach TÜV-Standard vermutlich seit 30 Jahren nicht mehr straßentauglichen Bussen fahren wir also über rote Staubstraßen, die man bei uns höchstens mit einem Geländewagen befahren würden, in die äußeren Randbezirke von Puerto Iguazu. Einmal zum Salto del Turista und ein anderes Mal zum Salto del Arroyo Mbocay. Auch wenn die Wasserfälle aufgrund des schlammigen Wassers optisch kein besonderer Hingucker sind, erfreuen wir uns dort einerseits an der wohltuenden Abkühlung sowie andererseits am immensen Schmetterlingsflugverkehr. Erfrischt und von der staubigen Hinfahrt gesäubert, nehmen wir für den Rückweg wieder den gleichen Bus, der uns das Kleingeld aus den Hosentaschen schüttelt und in dem Sonnebrillen als Staubabwehr dienen. Nach über einer halben Stunde Fahrt heißt’s dann raus aus dem Bus, Staub aus der Kleidung geklopft und im Grunde ist ja eh schon Zeit zum Abendessen. Für uns zumindest. Jetzt heißt es aber erst mal ein Restaurant finden, dass bereits um 18 Uhr öffnet und nicht wie die überwiegende Mehrheit erst um 20 Uhr. So kommt es, dass wir meist völlig alleine in riesigen Restaurants sitzen, wo es dann mitunter auch nur ein Viertel der Speisekarte gibt, weil die Küche noch nicht voll besetzt ist. Aber naja, man muss ja nicht jede kulturelle Eigenheit mitmachen. Denn auch wenn wir uns sonst stets wie Jungspunde fühlen: spätes Abendessen ist in unserem Alter einfach nicht mehr drin.

Auf nach Puerto Iguazu. Auf nach Puerto Iguazu.
Busnacht. Busnacht.
Puerto Iguazu. Puerto Iguazu.
Dackelpflege. Dackelpflege.
Brasilianische Seite. Brasilianische Seite.
Garganta del Diablo. Garganta del Diablo.
Argentinische Seite. Argentinische Seite.
Klitschnass. Klitschnass.
Wieder trocken! Wieder trocken!
Regenbogenzeit. Regenbogenzeit.
Dschungelzeit. Dschungelzeit.
Perspektivenwechsel. Perspektivenwechsel.
Saltos Hermanos. Saltos Hermanos.
Tschuuutschuuu! Tschuuutschuuu!
Mollejas. Mollejas.
Milanesa a la Napolitana. Milanesa a la Napolitana.
Hundstage. Hundstage.
Salto del Turista. Salto del Turista.
Unscheinbare Bushaltestellen. Unscheinbare Bushaltestellen.
Nordargentinischer Baustil. Nordargentinischer Baustil.
Auf der Suche nach Erfrischung. Auf der Suche nach Erfrischung.

Salta

Anfang April 2024. „Achtung! Hundegaks!“

Auch wenn das Reisen in der Osterwoche oft teuer sein kann, weil diese in Lateinamerika zu den wichtigsten Ferienwochen gehört, kann es für zeitlich flexiblere Menschen wie uns auch seinen Vorteil haben. So betragen die Preise für Flüge am Morgen des Ostersonntags nicht mal die Hälfte des Busticketpreises für die gleiche Strecke – und das bei einer Ersparnis von mindestens 20 Stunden Reisezeit. Da wird der Vorsatz, Inlandsflüge zu vermeiden, kurzzeitig über Bord geworfen. In einem – an unseren bisherigen Erfahrungen gemessen – unglaublich bequemen Flugzeug geht es also nach Salta. Die Stadt selbst hat ein charmantes Zentrum, das war’s dann aber eigentlich auch schon wieder. Vielleicht ist es aber auch das schlechte Wetter und die eher triste Umgebung unserer Unterkunft in einem der zu schnell gewachsenen Wohnbezirke, die unseren Eindruck der Stadt ein wenig trüben. Zudem ist die Stadt von Ostersonntag bis inklusive Dienstag (einem Nationalfeiertag in Argentinien) wie ausgestorben.

Sabrina hat sich hier aber eine den Umständen entsprechende Mission vorgenommen: Da es in der Stadt nur so von Poledance-Studios wimmelt und man hier für eine Unterrichtseinheit von 60-90 Minuten nicht mal 3 Euro bezahlt, stellt sie sich ein persönliches 5-tägiges Trainingslager in 2 verschiedenen, nahegelegenen Studios zusammen. 4 Monate ohne Training bleiben aber nicht ganz unbemerkt. An Tag 4 des Trainingswahnsinns, an dem wir uns aufgrund des etwas besseren Wetters entschließen, so etwas wie den Schloßberg von Salta zu erklimmen, sind Sabrinas Muskeln mehr als nur froh über die Möglichkeit, sich mit einer Seilbahnfahrt die vielen Stufen zu ersparen. Bis auf diesen Ausflug sowie ein paar Spaziergänge durch die Stadt, bei denen wir stets einen Hundstrümmerlslalom laufen und außerdem wie in Buenos Aires feststellen, dass hier wirklich kein Erwachsener ohne seine Mate-Kalabasse und eine 2-Liter-Thermoskanne mit heißem Wasser außer Haus geht, verweilen wir hier ansonsten relativ ereignislos.

Was an Argentinien bisher im Übrigen äußerst angenehm war, ist, dass wir hier nicht mehr so anders als der Großteil der lokalen Bevölkerung aussehen und sich somit die Distanz, die in anderen Ländern mitunter durch unsere Hautfarbe entstanden ist, um einiges verringert, und dass die Argentinier:innen zusätzlich ein äußerst aufgeschlossenes Volk sind, wodurch man schnell in ungezwungene Gespräche kommt. Erstaunlicherweise treffen wir hier auch auf viele Leute, die Austria nicht mit Australia verwechseln und mitunter sogar bereits in Österreich oder irgendwo anders in Mittel- oder Südeuropa waren. Denn wie Martín, der Stadtführer aus Buenos Aires, bereits vorausgesagt hat, erfahren wir zu Beginn nahezu jeder Konversation von unseren auf ihre Abstammungslinie stolzen Gesprächspartner:innen, dass deren Groß- oder Urgroßeltern Italiener:innen sind. Diese würden sich aber unserer Meinung, bei der Verkostung der argentinischen Pizzen, die meist aus mehr Käse als Teig bestehen, vermutlich im Grab umdrehen. Denn uns – und vor allem dem laktoseintoleranten Matthias – dreht’s dabei kräftig den Magen um. Da bleiben wir in Argentinien dann doch lieber bei den genial g’schmackigen Empanadas.

Ein letzter Blick. Ein letzter Blick.
Hola Salta! Hola Salta!
Altstadt. Altstadt.
Humita & Locro. Humita & Locro.
Seilbahnfahrt! Seilbahnfahrt!
Kaktusliebe. Kaktusliebe.
Verhasstes Shopping. Verhasstes Shopping.
Polestudio I. Polestudio I.
Polestudio II. Polestudio II.
Unsere Uhren ticken anders. Unsere Uhren ticken anders.
Pizza Fugazza - die argentinische Sünde. Pizza Fugazza - die argentinische Sünde.
Müllsystem á la Salta. Müllsystem á la Salta.

Jujuy

Etwas späterer Anfang April. „Wie vü Farb’n kann a Berg eigentlich hab’n?“

Von Salta machen wir uns erstmals seit langem wieder mit einem lokalen Touranbieter auf den Weg in neue Gefilde. Eingequetscht in einen von außen zwar nobel wirkenden Bus, dessen Innenausstattung aber an Kleinkindgrößen angepasst zu sein scheint, geht es in die nördlich gelegene Provinz Jujuy. Nachdem wir die verregnete und wolkenverhangene Stadt sowie gleichnamige Provinz Salta hinter uns lassen, gelangen wir nach ungefähr eineinhalb Stunden Fahrt schön langsam in die Schlucht Quebrada de Humahuaca, die als Teil des Inka-Pfades zum Welterbe der UNESCO gehört.

In Purmamarca bleiben wir schließlich für ein Panoramafoto des Cerro de los Siete Colores (Berg der 7 Farben) stehen. Auf Empfehlung der Familie, die im Bus aus der Sitzreihe vor uns quillt, kaufen wir uns in Purmamarca noch ein Agua de Florida, das man gegen die typischen Symptome der Höhenkrankheit alle 20 Minuten inhalieren soll. Außerdem bekommen wir vom Familienvater auch noch Coca-Zuckerl geschenkt – vermutlich damit wir der Familie bei plötzlich durch die Höhe auftretender Übelkeit nicht in den Nacken kotzen. Im typischen Touranbieterrhythmus haben wir in Purmamarca genau 10 Minuten Zeit, bevor es weitergeht zum nächsten kurzen Fotostopp. Diesmal ist es ein Markstein, an dem sich bereits eine Menschenschlange gebildet hat und der den höchsten Punkt für den heutigen Ausflug anzeigt: 4.170 m.

Bald darauf kommen wir aber auch schon am Highlight des Tages an: den Salinas Grandes. Geblendet von den weißen Spiegelflächen gatschen wir durch die Salzwasserpfützen, um dort schließlich auf „Fotoguides“ zu treffen, die auf Paletten liegend Tourist:innen dabei helfen, alberne Bilder mit Spezialeffekten zu schießen. Nachdem wir nicht wissen, was wir hier sonst tun sollen und uns auch trottelig genug dafür fühlen, schließen wir uns diesem Touri-Gag an. Mit haufenweise schlechten, aber auch ein paar lustigen Bildern hüpfen wir nach 40 Minuten zurück in den Tourbus, um dann erneut nach Purmamarca zu fahren, wo wir bei einem Restaurant rausgelassen werden, in dem an diesem Tag vermutlich bereits über 5.000 Tagestourist:innen zu viel Geld für mittelmäßiges Essen bezahlt haben. Da wir nicht zurück nach Salta wollen, befreien wir uns an dieser Stelle von unserem Touranbieter, organisieren uns ein Mittagessen im Dorfkern und fahren anschließend mit einem Colectivo (regionalen Bus) noch weiter hinauf in den Norden, nach Humahuaca.

Während Matthias bereits seit Stunden mit leichten Symptomen der Höhenkrankheit beschäftigt ist, kleben Sabrinas Augen an den vielen in verschiedenen Farben leuchtenden Gesteinsschichten, die sich linienförmig über die Gebirgsformationen werfen. Kinnlade wieder hochgeklappt, ausgestiegen und ab zum Hostel. Dort organisieren wir uns noch eine Tour für den nächsten Tag in die Serranía de Hornocal und genießen das Farbenspiel des Sonnenuntergangs bei einem Spaziergang durch das Zentrum von Humahuaca.

Am nächsten Tag werden wir am Vormittag abgeholt, um zu der in 14 Farben leuchtenden Bergkette zu fahren. Mit einem Jeep und einem argentinischen Pärchen überwinden wir Coca-Zuckerl lutschend erneut über 1.300 Höhenmeter, um schließlich von 4.350 m Höhe einen Blick auf die bunten Berge zu erhaschen. Die Farbpalette zeigt sich aufgrund der Bewölkung bzw. der fehlenden Sonneneinstrahlung aber leider nicht ganz so intensiv wie erwartet und der Wow-Effekt bleibt somit aus. Besseres Wetter gibt es dann erst wieder bei unserer Rückfahrt mit dem Bus von Humahuaca nach Salta, bei der sich Sabrina noch für mindestens eine Stunde die Nase am Busfenster plattdrückt. Denn von den nun viel stärker leuchtenden Farben und Formen können ihre Augen einfach nicht genug bekommen. Jegliche Versuche, dieses Farben- und Formspektakel mit dem Handy einzufangen, bleiben aber bis zum Ende leider vergebens.

Quebrada Humahuaca. Quebrada Humahuaca.
Touriblödsinn. Touriblödsinn.
Cerro de 7 Colores. Cerro de 7 Colores.
Nächster Stopp: Nächster Stopp:
Insta-Zeug. Insta-Zeug.
Aufgepasst! Jetzt geht's erst richtig los! Aufgepasst! Jetzt geht's erst richtig los!
Ende mit dem Unsinn. Ende mit dem Unsinn.
Hausbau. Hausbau.
Zurück. Zurück.
Estofado de Llama. Estofado de Llama.
Flan & Budin de Pan. Flan & Budin de Pan.
Tortilla Rellena. Tortilla Rellena.
Humahuaca. Humahuaca.
Serranía de Hornocal. Serranía de Hornocal.
Hostel & Camping. Hostel & Camping.
Zeitvertreib. Zeitvertreib.
Warum eigentlich? Warum eigentlich?
Baba Humahuaca. Baba Humahuaca.

Cafayate

Ende erstes Drittel April. „Das wird ja imma besser hier!“

Den Abschluss unserer Zeit in Argentinien bildet dann noch eine 2-Tagestour nach Cafayate, für die wir uns ein Auto ausleihen, um nicht nur wieder etwas mehr Beinfreiheit zu haben, sondern auch flexibler mit unseren Stopps und Besichtigungszeiten zu sein. Nach der Hälfte der 3-stündigen Autofahrt verwandelt sich die zuvor noch sehr grüne Umgebung in eine zunehmend karge, aber richtig schöne Gegend. An ausgetrockneten oder höchstens mit geringen Schlammmassen gefüllten Flussbetten geht es durch eine malerische und in ihrer Form und Farbe äußerst kreativ gewachsene Gebirgs- und Hügellandschaft hindurch. Während Strommasten- und Stromkabel komplett aus dem Landschaftsbild verschwinden, beeindrucken uns nun vor allem die vielen Verwerfungen, schrägen Schichtungen, Gesteinsschlösser, Obelisken, Schluchten und viele andere wie tropfender Kerzenwachs anmutende Gesteinsanhäufungen.

In unserer Unterkunft in Cafayate, das sich in einer wieder fruchtbareren Weingegend befindet, schauen wir dann nahezu enttäuscht unsere Aufnahmen durch. Doch kaum ein Bild schafft es auch nur ansatzweise wiederzugeben, was unsere Augen gerade erleben durften. Trost finden wir jedoch sogleich im kleinen Ortskern, wo wir über Kunsthandwerksmärkte spazieren und uns bei ungefähr 28 Grad noch Socken und Handschuhe aus Lamawolle für unsere Reise nach Peru besorgen.

Am nächsten Tag geht es dann noch mal durch die überwiegend in Rottöne getauchte Landschaft zurück, die uns auch von der anderen Seite mindestens genauso beeindruckt wie bei der Anreise. Nachdem wir innerhalb von 24 Stunden 3 Mal für eine Führerscheinkontrolle aufgehalten wurden, geben wir am Abend unser Mietauto wieder ab und treten unsere letzten (halbe) Nacht an, um uns dann noch vor der Morgendämmerung von Argentinien zu verabschieden.

Ab nach Cafayate! Ab nach Cafayate!
Garganta del Diablo. Garganta del Diablo.
El Anfiteatro. El Anfiteatro.
Cowboy Maddy. Cowboy Maddy.
Es ist noch nicht vorbei! Es ist noch nicht vorbei!
Cafayate. Cafayate.
R. R.

Dupdiduuu

Und wie immer zum Abschluss noch die kommentarlose Galerie fürs Augerl.

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Letzte Aktualisierung: 26.05.2024

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