Topf und Deckl

Ein Reis(e)block

MEXIKO

Im Land der Tacos und Bremshügel.


El Cuyo

Mitte Februar 2024. „Wieder ka Dusch? Na dann halt: Salud!“

Nachdem wir auf unseren Flügen von Hawaii nach Mexiko weder von Hawaiian Airlines (5h Flug!) noch von Aeromexiko (4,5h Flug) ein Essen serviert bekommen haben, und Hawaiian Airlines sich zusätzlich mit kostenpflichtigen Kopfhörern vollständig aus unseren Herzen verbannt hat, werden wir nach einem weiteren kurzen Flug nach Cancun von einem Stück Grazer Heimat empfangen. Breites, strahlendes Lächeln und gut von der Sonne vorgebräunt schließt uns der Verursacher unserer bereits seit Tagen anhaltenden Vorfreude in die Arme: unser lieber Freund Falko. Und weil wir uns so freuen, ihn zu sehen, verzeihen wir ihm auch direkt, dass er es nicht geschafft hat, seiner einzigen Aufgabe, die er in den paar Tagen Mexiko ohne uns hatte, vollumfänglich nachzukommen – die Organisation eines fahrbaren Untersatzes. Aber egal. Wer kann denn einem Sonnenschein wie Falko schon böse sein. Fünf Kreditkartenversuche später gehört der weiße Chevrolet dann uns und es geht direkt auf nach El Cuyo. Mit schönen Treibhölzern und Makrameekunst dekorierte Bretterbuden und bunt bemalte Häuschen, ein paar kleine Cafes, abends eine Auswahl von nur 5 Imbissbuden und Restaurants, weißer Sand und Kokospalmen, wohin man blickt, gemütlich über das türkise Meer segelnde Pelikane, und das alles genau vor unserer Haustüre. Perfekt, um den Jetlag abzuschütteln. Das einzig etwas Unangenehme ist, dass es wie in vielen anderen Ortschaften Mexikos auch in El Cuyo Probleme mit der Wasserversorgung gibt. Die lang ersehnte Dusche nach knapp 24h Anreise kommt also für die nächsten zwei Tage aus unseren Trinkwasservorräten – fair aufgeteilt in je einer 1,5-Liter-Flasche. Und wer ein großes Geschäft am Klo verrichten muss, verzichtet dann halt auf die Dusche. Entweder – oder.

Während wir am ersten Tag in El Cuyo den Kitesurfer:innen beeindruckt zuschauen, versuchen uns über die letzten drei Monate unserer jeweiligen Leben auf den neuesten Stand zu bringen, es uns zur Aufgabe machen, alle Gerichte auf der Speisekarte unseres Lieblingsopis auszuprobieren, und Falkos Mitbringsel aus Cancun – hochwertigsten Tequilla – verköstigen, beschließen wir, am mittleren unserer 3 Aufenthaltstage ein Cenote zu besuchen. Dabei landen wir nach 1,5 Stunden Autofahrt und geschätzt 734 Bremshügeln zuerst in einem Dorf, in dem uns zwei Anwohnerinnen mit viel Gekicher mitteilen, dass hier nur der Dorfname „Cenote Azul“ ist, aber es keinen wirklichen Cenote gibt, finden aber eine halbe Stunde später dann eine „echte“ Cenotenlandschaft namens Cinco Cenotes, wobei hier von den 5 Cenoten gerade nur einer zugänglich ist, da die anderen 4 gewartet werden. Als einzige Besucher haben wir das ganze Areal für uns, kühlen uns kurz in der mit Sonnencreme beschichteten Wassergrotte ab, lungern dann noch ein bisschen in Hängematten herum und müssen aufgrund der Zeitverschiebung, die wir bei unserer Autofahrt in den angrenzenden Bundesstaat komplett übersehen haben und die uns 1 Stunde näher an das Ende der Öffnungszeit geschupst hat, unseren Cenotenbesuch sehr bald wieder beenden. Zum Trost gibt es nach dem 439. Bremshügel am Heimweg noch Tamales am Straßenrand. Am letzten Tag in El Cuyo wird ein letztes Mal der Strand genossen und darüber sinniert, was wir uns von Falko eigentlich alles importieren hätten lassen sollen. Dabei sind wir uns über eines einig: a guats Salamibrot warat’s  g’wesen!

Volle Kraft voraus! Volle Kraft voraus!
El Cuyo El Cuyo
Falkostück. Falkostück.
Wasserknappheit. Wasserknappheit.
Mexikanische Polizeistation. Mexikanische Polizeistation.
Loncheria Opi. Loncheria Opi.
Cinco Cenotes. Cinco Cenotes.
Prost. Prost.
Baba El Cuyo. Baba El Cuyo.

Valladolid

Anfängliche zweite Hälfte Februar 2024. „Morgen is a noch a Tag für die Kirchenlasershow!“

Unser nächster Stopp führt uns weg vom Strand in die kleine, aber feine Stadt Valladolid. Dort setzen wir vor allem unsere kulinarische Erkundungstour fort. Der Markt im Zentrum bietet nahezu 360° Fressbuden mit Budenschreiern, die ihre jeweiligen Speisekarten in Höchstgeschwindigkeit herunterleiern, um anschließend geduldig die immer gleiche Frage unsererseits zu den vielen uns unbekannten Gerichten zu beantworten: „Qué es esto?“ – oder zu steirisch „Und wous is des?“. Mit 3 Nächten und 3 hungrigen Mäulern schaffen wir es bis zum Ende unseres Aufenthalts jedenfalls mindestens 10 unterschiedliche traditionelle Gerichte Yucatans zu probieren. Unser Fazit: Vieles schmeckt sehr ähnlich und gesunde Küche ist was anderes. Unter dem Abschnitt „Vegetarisches“ – wenn es einen solchen auf der Speisekarte überhaupt gibt – findet man höchstens Gemüsetacos, Eiergerichte oder Salat (gelegentlich „sogar“ mit Huhn). Bei unseren anschließenden Verdauungsspaziergängen durch die Stadt stellen wir außerdem etwas enttäuscht fest, dass die Mexikaner:innen kein Volk des gemütlichen Verweilens sind. Und das nicht nur, weil die meisten Rückenlehnen von Sitzgelegenheiten sich teilweise am oberen Ende nach vorne neigen, sondern weil es auch ein Ding der Unmöglichkeit zu sein scheint, an einem größeren Platz oder in einem Park Cafes oder Saftbuden mit Gastgarten oder Ähnlichem zu finden, um von dort aus die Aussage eines Arbeitskollegen von Falko zu verifizieren, der Mexiko auch das „Land der Head and Shoulders“ nennt. Bei unseren Besuchen diverser Kathedralen und Klöster sowie unserem all-abendlichen Ausflug zum Abendessen auf den Markt und zur Kirchenshow im Zentrum von Valladolid lässt sich aber dennoch gut beobachten: einen Hals hat hier nicht ein jeder.

Um der schattenlosen Hitze der Stadt zu entgehen, besuchen wir dann noch an einem unserer Tage in Valladolid den nahegelegenen Cenote Sac Aua, der uns vom Gastgeber unserer Unterkunft als einer der schönsten und touristisch nicht allzu stark frequentierten Cenoten empfohlen wird. Dort machen wir eine kleine Grottentour und erfahren, dass es in Yucatan insgesamt über 10000 Cenoten geben soll und dass diese zu 99% unter Silberpappeln zu finden sind. Wir werden außerdem über die Traditionen und Riten der Maya eingeweiht, die ihren Göttern in den Cenoten meist Menschen geopfert haben – vorwiegend Kleinkinder sowie die Stärksten und Schönsten. Unseren Vermutungen zufolge war das wohl dann der Niedergang des Schwanenhals-Gens in Yucatan. Jedenfalls glücklich in einer etwas anderen Zeit zu leben, hüpfen wir nach dem Besuch der Grotte noch einmal in das glasklare Wasser des angrenzenden Cenotes und fahren anschließend noch zu einer über dem Erdboden befindlichen Mayastätte: Ek Balam. Dort steht die einzige Pyramide in Mexiko, deren Stufen man tatsächlich auch hinaufgehen darf, und wo wir vom Zenit aus schließlich sehen können, wie sich der unberührte Dschungel hier kilometerweit über das flache Land erstreckt und offensichtlich noch nicht Monokulturwirtschaftspraktiken zum Opfer gefallen ist. Unsere der Umwelt nahestehenden Herzen erfreut das jedenfalls.

Hola Valladolid! Hola Valladolid!
Start in den Tag. Start in den Tag.
Regenprogramm. Regenprogramm.
Guacamooole. Guacamooole.
Salud! Salud!
Explorer on Tour. Explorer on Tour.
Head and Shoulders. Head and Shoulders.
Cenotentag. Cenotentag.
Splish splash. Splish splash.
Grottentour. Grottentour.
Ek Balam. Ek Balam.
Back in Town. Back in Town.

Chichen Itza & Merida

Hälfte der zweiten Februarhälfte. „Kh’uukh’uuu’lkh’aaa’n!“

Der Mayakultur auf der Spur – so dachten wir bis dahin zumindest – statten wir auf der Überfahrt von Valladolid nach Merida dem bereits zweiten Weltwunder auf unserer Reise einen Besuch ab: Chichen Itza. Unser Tourguide Mario klärt uns aber gleich zu Beginn auf, dass wir hier im Grunde vielmehr ein Kulturerbe der Tolteken als der Maya vor uns haben und wird auf der nahezu 3-stündigen Tour zu keiner Zeit müde, uns nahezu jeden Stein sowie jede Pflanze am Gelände zu erklären und mit viel Freude auf Falkos Fragentirade einzugehen. Allzu viel tatsächliches Wissen scheint es aber über diese Zeit nicht zu geben, sondern nur mehr oder weniger wahrscheinliche Theorien. Womit Mario jedoch unsere zwischendurch bereits erschöpften Ohren jedes Mal erneut zum Schlackern bringt, ist das viele Herzblut, das er in die Aussprache der originalen Götternamen steckt – wenn er also die Augen weit aufreißt und tief in die Knie geht, um uns dann mit starken Händen, die vor seinem Körper einen imaginären Ball zum Platzen bringen, und mit knackenden und krachenden Lauten für uns nahezu unaussprechliche Silben entgegenwirft. Kaum zu glauben, dass er vor über 1500 Jahren nicht selbst mitgeholfen hat, die vielen Steine aufeinanderzustapeln.

Zurück in der modernen Zivilisation, landen wir schließlich in Merida, wo wir einmal mehr auf die Suche nach großen gemütlichen Plätzen in der Stadt oder Grünflächen gehen. Während erstere offensichtlich Bauarbeiten zum Opfer gefallen sind, scheinen letztere wohl hitzebedingt keine Überlebenschance zu haben. Bis auf eine lange Flaniermeile, die aber eher geldigeren Touristen vorbehalten zu sein scheint, fehlt der Stadt unserer Meinung nach ein wenig der Charme. Gut, dass wir hier nur 2 Nächte gebucht haben – unter anderem auch, weil sich die Designer der Ventilator-Lampen-Kombination in Falkos Zimmer wohl irgendwie „verdacht“ haben und die Flügel des Ventilators einen blinkenden Diskoschatten werfen, von dem man sich als Epileptiker:in einfach nur fernhalten sollte. Für uns steht jedenfalls fest: das mit der Erkundung von Städten lassen wir in Yucatan jetzt lieber mal bleiben.

Chichen Itza. Chichen Itza.
Diese Tolteken. Diese Tolteken.
Mayastyle. Mayastyle.
Insta Time. Insta Time.
Merida. Merida.
Parksuche. Parksuche.
Abkühlung zuhause? Abkühlung zuhause?
Coca Cola überall. Coca Cola überall.
Ob es nur die fehlende Halslänge ist? Ob es nur die fehlende Halslänge ist?
Tacomaschinerie. Tacomaschinerie.
Baba Merida :) Baba Merida 🙂

Izamal & Tulum

Ende Februar 2024. „Für des braucht ma eigentlich net so weit fliagn.“

Am Weg nach Tulum brechen wir dann doch noch mal mit unserem Vorsatz, keine Stadt ohne Meerzugang mehr zu besuchen, und fahren für ein Frühstück das Städtchen Izamal an. Worüber sich dort wohl alle Stadtbewohner:innen einig sind: nur eine gelbe Fassade ist eine schöne Fassade. Aber nicht nur die gelbe Einheit gibt der Stadt einen äußerst charmanten Touch, sondern auch der Markt im Zentrum ist sehr nach unserem Geschmack. Statt auswendig gelernte Gerichte von elendslangen Speisekarten entgegengeschrien zu bekommen, gibt es hier viele kleine Stände, die sich meist auf ein bis maximal fünf Gerichte spezialisiert haben, die man auch direkt in der Auslage betrachten kann und deren Preis offensichtlich keinen Touristenzuschlag enthält. Nachdem Sabrina am Marktplatz noch erfolglos versucht, einem wohl falsch informierten Holländer dabei zu helfen, ein in der Region angeblich berühmtes Gericht – und zwar eine mit Käsefondue gefüllte Brotschale – zu finden, von dem hier aber niemand weiß, beweist Falko noch ein weiteres Mal seine Chauffeurfähigkeiten und bringt uns trotz vieler weiterer böser Bremshügel, die oftmals ohne Vorwarnung auftauchen und einfach nur wie ein Baumschatten aussehen, heil und sicher nach Tulum.

Tulum hätte eigentlich ein kleines Goodie am Ende unserer gemeinsamen Zeit mit Falko sein sollen – für uns sozusagen ein Urlaub vom Reisen –, aber irgendwie werden wir alle drei nicht ganz mit diesem scheinbar nur für Touris „hochgezogenen“ Städtchen warm. Auch wenn uns der Ethnostil grundsätzlich gut gefällt, kommt es uns hier (eventuell altersbedingt) einfach zu hipp, aber vor allem zu chic und damit irgendwie auch unauthentisch vor. Die Hauptstraße besteht aus einer Vielzahl an Souvenierläden, Touranbietern und Partyclubs, während sich am karibischen Strand ein Beachclub neben den anderen reiht – mit ortsunüblichen Preisen, dass einem nur so die Ohren schlackern.

Wir versuchen dennoch das Beste aus unserem Aufenthalt in einer sehr schönen und verhältnismäßig günstigen Penthouse-Wohnung zu machen und gehen mit Falko den teuflischen Pakt ein, uns gegenseitig täglich zu mindestens 2 Trainingseinheiten zu motivieren. In der Früh starten wir also mit einer Runde Yoga und ein wenig Krafttraining auf der Dachterrasse in den Tag, verköstigen uns dann – übersättigt von der fettigen, teig- und fleischlastigen mexikanischen Küche – selbst mit einem guten Frühstück, binden Falko in unseren intergalaktischen Sternenkrieg ein, tanken Sonne am Strand und schauen dabei Leuten zu, wie sie sich in der türkisblauen Kulisse für einen guten Instagram-Schnappschuss bis zum Bandenscheibenvorfall räkeln und im Sand wälzen, versuchen mit verminderter Fallhöhe und fluidem Auffangbereich Menschentürme (vorwiegend auf Matthias) zu bauen, und schnabulieren am Heimweg dann eine gute Torta an einem Grillstand oder machen noch ein zweites kleines Workout, um uns danach mit selbstgekochten Gemüsegerichten zu belohnen.

Mit Lust auf ein bisschen Tanzen zu elektronischer Musik ziehen wir am Wochenende in das Stadtzentrum, wo sich eine Karnevalfeier gerade dem Ende zuneigt. Uns fällt plötzlich auf, dass hier kein einziger Gringo-Tourist zu finden ist und wir uns in der Innenstadt erstmals inmitten einer rein mexikanischen Menschenmasse befinden. Bisher waren die einzigen Einheimischen, denen wir begegnet sind, Bauarbeiter oder Ladenverkäufer:innen. Auch wenn sich die Massen bereits von der Hauptbühne Richtung Fress- und Schießbuden schieben, an denen um Mitternacht noch Kinder im Volksschulalter ihren Eltern beim Familienstandl helfen oder mit dem Bauchladen Kaugummis verkaufen, kann man vielerorts noch Schunkelmusik vernehmen. Die umliegenden Clubs beschallen die Straßen außerdem mit Reggaeton, um möglichst viele Karnevalbesucher umgehend auf ihre Tanzflächen zu locken. Nachdem es musikalisch leider nicht wirklich was für uns gibt, nutzen wir den Abend schließlich, um auch uns an den Taco- und Tortaständen noch mal den Wanst vollzuhauen.

So richtig Gefallen finden wir aber an Tulum bis zum Ende nicht, und durch die bevorstehende Abreise von Falko, etwas mehr mit Graz in unseren Köpfen beschäftigt, merken wir, dass wir nach über 3 Monaten schön langsam das Gefühl bekommen, dass auch wir mittlerweile bereit wären, wieder nach Hause zu fliegen. Uns scheint, dass Hawaii durch seine Besonderheit gerade solche Orte wie Tulum sehr blass aussehen lässt, und stellen immer mehr fest, dass auch wenn wir versucht haben Touristenhochburgen wie Cancun oder Playa del Carmen auszulassen, uns der Massentourismus auf der Halbinsel Yucatan zuwider ist. Hinzu kommt, dass wir durch unsere Zeit mit Falko auch noch mal mehr gespürt haben, wie sehr wir unsere Lieblingsmenschen daheim bereits vermissen. Aber naja – wer weiß, vielleicht kann uns ja die Pazifikküste Mexikos etwas mehr in ihren Bann ziehen.

Izamal. Izamal.
Mexikanische Standardfigur. Mexikanische Standardfigur.
Tulum. Tulum.
Frühstück. Frühstück.
Tadaaa. Tadaaa.
Die starke Basis. Die starke Basis.
Trockenzeit. Trockenzeit.
Shopping am Heimweg. Shopping am Heimweg.
Abendessen. Abendessen.
Abendprogramm. Abendprogramm.
Adios Tulum. Adios Tulum.

Oaxaca

Anfang März 2024. „Schad, dass nimma dabei bist, Falko – es gibt tatsächlich amal a Fußgängerzone!“

Von Tulum aus fahren wir gemeinsam mit Falko nach Cancún: er fliegt zurück nach Österreich und wir etwas weiter in den Süden Mexikos – nach Oaxaca. Um bei der Einreise nach Mexiko keine Probleme zu haben, hatten wir uns in Hawaii bereits das Ticket für unseren Weiterflug nach Argentinien gecheckt. Der Gedanke, dass wir noch ganze 2 ½ Wochen in Mexiko verweilen „müssen“, ruft bei uns zu diesem Zeitpunkt wenig Euphorie hervor. Viel eher haben wir Angst, dass unsere neue Destination genauso „touristenverseucht“ – uns ist leider klar, dass auch wir da hinzugehören – sein könnte. In Oaxaca angekommen, bietet sich beim Verlassen des Flughafens aber gleich mal ein ganz anderes Bild als in Cancùn: eine hügelige, trockene und karge Steppenlandschaft, in deren sengender Hitze sogar Kakteen um ihr Überleben kämpfen und sich die Einheimischen mit Regenschirmen vor dem glühenden Sonnenball verstecken. Den Sonnengott um Gnade bittend marschieren wir zur nächstgelegenen öffentlichen Bushaltestelle. Und Bushaltestelle heißt hier, einfach vor einer Apotheke am Gehsteig zu stehen, und das Pfötchen zu heben, wenn ein Bus mit der Aufschrift „Oaxaca Centro“ vorbeifährt. Mit einem Bus, der jeden mit schwachen Bandscheiben oder einer maroden Hüfte, den letzten Schupfer Richtung Krankenhaus verpasst, hoppeln wir also in die Stadt.

In unserer Unterkunft angekommen, werden wir direkt von einer Künstlerin und Aktivistin über die Wasserknappheit im gesamten Bundesstaat Oaxaca aufgeklärt, und vor allem über die fehlende Aufklärung in Tourismus-Gebieten. Denn während Mexikaner:innen von klein auf einen sparsamen Umgang mit Wasser lernen und für ihre Dusche höchstens ein paar Schöpfer aus einem Wasserkübel über sich werfen, verbrauchen einzelne Tourist:innen mit einer Dusche ein Vielfaches des Tagesbedarfs der Einheimischen. Froh darüber, zu verstehen, warum manche Klospülungen hier entweder gar nicht oder sehr schwach funktionieren, oder so mancher Wasserhahn oder Dusche nur ein dünnes Rinnsal bietet, versuchen auch wir unseren Wasserverbrauch an die Gegebenheiten anzupassen.

Bei einem Spaziergang in das Stadtzentrum finden wir dann all das, was uns bei den Stadtbesuchen in unseren ersten 2 Wochen in Mexiko gefehlt hat: architektonisch beeindruckende und geschichtsträchtig wirkende Gebäude am Rande breiter Fußgängerzonen sowie große schattige Bäume inklusive(!) Sitzgelegenheiten und dadurch um einiges mehr an Gemütlichkeit. Natürlich gibt es auch hier einige auswärtige sowie mexikanische Touristen, aber dadurch, dass diese Stadt sicher auch ohne Touristen überleben kann und nicht so wirkt, als wäre sie nur für den internationalen Tourismus gebaut, fühlen wir uns hier schon sehr viel wohler und erfreuen uns auch an etwas landesüblicheren Preise. Es gibt hier so viele schöne Ecken, Märkte und bunte Straßen, dass man auch gar kein Alternativprogramm zur Flucht aus der Stadt benötigt. Wir nutzen die 3 Tage in Oaxaca de Juarez daher, um durch die Stadt zu schlendern, die schöne Atmosphäre zu genießen, uns durch die Märkte und Restaurants zu schnabulieren sowie endlich den Mezcal von unserer Liste abzuarbeiten, der uns nicht nur kräftig durchschüttelt, sondern uns in den nächsten Stunden regelmäßig Grüße aus unserem (zugegebenermaßen viel zu) bunt gefüllten Magendarmtrakt schickt.

Auf nach Oaxaca. Auf nach Oaxaca.
Richtung Bus. Richtung Bus.
Unser Airbnb. Unser Airbnb.
Prächtig. Prächtig.
Matthias neue Flamme. Matthias neue Flamme.
Kulturraum. Kulturraum.
Ein Hoch auf Bäume! Ein Hoch auf Bäume!
Tlayudas. Tlayudas.
Neuer Tag - neue Tischdecke. Neuer Tag - neue Tischdecke.
Verdauungsmezcal. Verdauungsmezcal.
Mavigator. Mavigator.
Markttag. Markttag.
Chicharrón. Chicharrón.
Kunterbunter Abschied. Kunterbunter Abschied.

Puerto Escondido & Workaway II

Späterer Anfang März 2024. „Da könnt i noch so vü länger bleib’n!“

Auch wenn es nahezu eine Schande ist, das Erlebnis, das mit der Nutzung mexikanischer Colectivos (Sammeltaxis) einhergeht, auszulassen, entscheiden wir uns dafür, für die nächsten 2 Wochen einen fahrenden Gepäckträger zu mieten. Von unserer Unterkunft nehmen wir gleich mal einen englischen Tätowierer und Künstler namens Rossi mit, der das gleiche Ziel hat: Puerto Escondido. Rossi hat nicht nur jede Menge Spraydosen im Gepäck, um auf seiner Reise ein wenig Farbe an diversen Wänden zu hinterlassen, sondern sorgt außerdem mit endlosen, aber spannend erzählten Geschichten über prähispanische Hochkulturen in Mexiko dafür, dass die 3-stündige Autofahrt wie im Flug vergeht. Als Dankeschön werden wir am Ziel zum Fischessen eingeladen und tauschen Kontakte aus, um in den nächsten Tagen mal gemeinsam ins Meer zu hüpfen.

Um uns vom reinen Touristen-Dasein möglichst gut zu distanzieren, haben wir in Oaxaca über die Workaway-Plattform wieder einige mögliche Gastgeber:innen kontaktiert. Als wir eine Zusage für eine Ranch am Fluss Colotepec erhalten, bemüht sich Sabrina darum, mit der alten Dame, in deren kleiner Pension wir untergebracht sind, 2 der 3 gebuchten Nächte zu stornieren. Nach 1 Stunde Gespräch über Kommissionen von Booking.com und entsprechende Umgehungsmethoden sowie über die Besonderheiten in der Administration und Versteuerung von Pensionen in Mexiko, müssen wir nur die erste Nacht bezahlen und machen uns am nächsten Tag nach dem Besuch des Strandes Bacocho, der uns mit durchaus beängstigenden Wellen unsere Nebenhöhlen durchspült, schließlich auf zur Rancho „Cuatro Elementos“. Bei der Anfahrt über die steinige und steil abwärts geneigte Staubstraße sind wir erst mal froh, dass wir das Mietauto Vollkasko versichert haben, aber auch skeptisch, ob wir hier jemals wieder heil zurück hinaufkommen. Herzlich begrüßt von Fernando, seiner Partnerin Crista sowie ihren 4 Hunden, beziehen wir unser Quartier: eine einfache Hütte mit Moskitonetzfenstern und etwas in die Jahre gekommene Betten mit Matratzen, wo nicht nur der 3D-Effekt, sondern auch der Soundeffekt der Metallfedern bei jeder Drehung zu seiner vollen Wirkung kommt. Strom oder Internet haben wir dort nicht, und auch unsere mexikanische eSIM bringt in diesem Funkloch reichlich wenig. Ehrlich gesagt stört uns das aber kein bisschen.

Bei der Erkundung des Geländes gelangen wir schließlich auch an den Fluss, der einen tiefen Einschnitt im kaktusreichen und steinigen Gelände bildet und dessen Ruhe uns unmittelbar in seinen Bann zieht. Zwischen Kaulquappen, Flusskrebsen und Vögeln kühlen wir uns in dem seichten Gewässer ab und genießen diesen Kraftort. Zurück beim Gemeinschaftsbereich der Workawayer lernen wir dann noch Ibrahim aus Marseille kennen, der bereits seit 1 Woche hier aushilft und mit dem wir die Hütte teilen.

Unsere Tage auf der Ranch starten meist mit Sonnenaufgang und sind geprägt von einer Nacht, in der Fernandos Hahn mit offensichtlich gestörter Weckfunktion ab 01:00 Uhr halbstündig kräht. Dann wird ein bisschen Holz gesammelt, Feuer gemacht und das Wasser für den ‚wunderbaren‘ Löskaffee oder Tee aufgestellt. Zwischen 07:30 Uhr und 08:00 Uhr taucht dann meist Fernando auf und verteilt Aufgaben, zu denen Folgende zählen: Gemeinschaftsbereich herrichten, Steinbegrenzungen für Wege und Bäume legen, diese neuen oder andere bereits verblasste Steine kalken, Teile des Grundstücks rechen, einen Wintergarten anlegen, die Tomatenzucht verbessern oder Wasser vom Fluss hinaufpumpen, um die Wassertanks zu befüllen. Größtenteils arbeiten wir dabei im Rhythmus der mexikanischen Volksmusik und dem dazu einstimmenden Gejodle der tacobäuchigen Bauarbeiter des Nachbargrundstücks. Um spätestens 10:00 Uhr ist dann aber wieder Schluss. Nicht nur, weil die Hitze sich zu dieser Zeit schon unangenehm bemerkbar macht, sondern auch, weil wir bei Fernando bis auf Wasser keine Verpflegung bekommen und er uns daher nicht allzu lange einspannen will. Nach Arbeitsende machen wir uns dann unser wohlverdientes Frühstück und quatschen dabei mit Fernandos einzigem, bezahltem Arbeiter Alejandro, der uns täglich etwas mehr über sein Leben, seine Träume, seine Familie und generelle Arbeitsumstände in Mexiko erzählt. Wir erfahren dabei, dass sein Verdienst pro Woche ca. 85 Euro beträgt, seine Frau, eine Reinigungskraft, verdient etwas mehr – den Lohn gibt’s wöchentlich direkt in die Hand, Sozialsystem gibt’s keines. Für den Kaiserschnitt beim 3. Kind müssen sie selbst aufkommen und schon ist das Familienbudget um 1.500 Euro geschrumpft.

Die Nachmittage verbringen wir dann entweder am Fluss, entfernen Hunderte kleiner Kaktusstacheln aus unserer Haut, oder packen Ibrahim ein und fahren an den Strand, wo wir Rossi treffen und uns gemeinsam in die Fluten hauen. Abendessen wird dann wieder über Feuer gekocht oder nach Strandbesuchen bleiben wir dafür gleich in Puerto Escondido – entweder bei einer großen Taquería, von deren Salsas wir einfach nicht genug bekommen können, oder in einem kleinen Fischrestaurant, das uns am ersten Abend empfohlen wurde und für das wir am letzten Tag sogar extra noch einmal den etwas weiteren Weg von der Ranch nach Puerto Escondido auf uns nehmen.

Pazifikküste - wir kooommen! Pazifikküste - wir kooommen!
Playa Carrizalillo. Playa Carrizalillo.
Chipotle und Ceviche. Chipotle und Ceviche.
Lösung des Platzproblems. Lösung des Platzproblems.
Playa Bacocho. Playa Bacocho.
Rancho Quatro Elementos. Rancho Quatro Elementos.
Kikerikiiiii! Kikerikiiiii!
Badehaus. Badehaus.
Frühstückskaffee. Frühstückskaffee.
Zweites Frühstück. Zweites Frühstück.
Feinifein. Feinifein.
Ranch-Nachmittag. Ranch-Nachmittag.
Abendessen. Abendessen.
Weltfrauentag. Weltfrauentag.
Enchiladas en salsa verde & Enchiladas en salsa verde &
Burritos. Burritos.
Nachtisch. Nachtisch.
"Kleiner" Größenunterschied. "Kleiner" Größenunterschied.
Alternativprogramm Alternativprogramm
Temazcal. Temazcal.
Tarantula. Tarantula.
Krokodilzone. Krokodilzone.
Bye bye, Puerto Escondido. Bye bye, Puerto Escondido.

Agua Blanca & Mazunte

Schon fast Mitte März 2024. „I halt’s nimma aus mit de Schweinsviecher!“

Schweren Herzens geben wir nach einer Woche unser reduziertes Leben auf der Ranch wieder auf und bleiben am Weg nach Mazunte in dem kleinen Badeort Agua Blanca stehen, wo wir Chilaquiles frühstücken, dazu eine frische Kokosnuss schlürfen und einem Küchenchef beim Öffnen von Austern zuschauen, die uns als Vormittagssnack noch etwas zu wild erscheinen. Auch dort gibt es wieder jede Menge starke Wellen, die wir mit reichlich Vorsicht genießen, und beim Blick aufs offene Meer dürfen wir sogar aus etwas weniger Entfernung als in Hawaii noch mal zwei Wale beim – wie es aussieht – gemeinsamen Herumalbern beobachten.

Am Nachmittag kehren wir dann zwischen barfüßig durch die Straßen schwebenden Yogis und Yoginis in Mazunte ein. In unserer Unterkunft treffen wir außerdem zum ersten Mal auf unserer Reise auf Österreicher – 3 Burschen aus Niederösterreich, mit denen wir uns gleich am Tag unserer Ankunft den Sonnenuntergang vom nahegelegenen Playa de Mermejita aus anschauen.

Die beiden folgenden Tage verbringen wir größtenteils am Strand, wo wir die grazil über das Meer segelnden Pelikane dabei beobachten, wie sie mit den äußersten Federn ihrer Flügel sanft über das Wasser streichen. Und wenn die Pelikane gerade woanders auf Fischjagd sind, gehört das Meer am Strand von Mazunte den Mantarochen, die bis zu einem Meter aus dem Wasser springen, um sich daraufhin mit einem festen Bauchklatscher wieder unter die Wasseroberfläche zu manövrieren. Aber nicht alle Tiere hier machen uns glücklich. Denn da wären zum Beispiel noch die Gelsen – eine Plage, die in unserem Badezimmer wohl eine ihrer Hauptgeburtsstätten zu haben scheint. Offensichtlich immun gegen das übertrieben dick aufgetragene Moskitospray und schlau genug, um auch das kleinste Loch im Moskitonetz zu finden, das unser Bett umgibt, ist nach 3 Nächten eigentlich gar kein stichfreies Stückchen Haut mehr auf unseren Beinen zu finden.

Was Matthias aber noch viel mehr quält, als diese bisswütigen Schweinsviecher, sind Ohrenschmerzen, die ihm seit unserer Ankunft in Mazunte zunehmend den Schlaf rauben. Am Tag unserer Weiterreise suchen wir daher die Telefonnummer und die Adresse des einzigen Arztes in Mazunte raus. Nachdem wir wieder mal kein Netz haben und auch niemanden in der Praxis antreffen, fragen wir beim benachbarten Café, ob jemand den Arzt für uns anrufen kann. Damit, dass Mazunte so klein ist, dass der Cafébesitzer einfach zwei Mal laut „Doc“ in die Straße ruft und der Arzt schließlich auftaucht, hatten wir nicht gerechnet. Mit einer Ohrenspülung, die ein paar Algen und abgestorbenes Gewebe, was zusammen zu einer Entzündung geführt hat, zu Tage befördert, ein paar Ohrentropfen und einer neutralen Seife wird Matthias dann schließlich wieder entlassen. Entzündungshemmende Schmerztabletten soll er nehmen und für die nächsten Tage gibt es Schwimmverbot. Trifft sich im Grunde gut, denn unser Plan war ohnehin, uns ins mexikanische Hochland zu begeben.

Agua Blanca. Agua Blanca.
Maracuya- und Hanfmezcal. Maracuya- und Hanfmezcal.
Mazunte. Mazunte.
Playa Mermejita. Playa Mermejita.
Der nächste Künstler. Der nächste Künstler.
Ohrthias. Ohrthias.
Wieder mal kein Internet. Wieder mal kein Internet.

San Jose del Pacifico & Oaxaca II

Knapp vor Mitte März 2024. „Eine Gratwanderung…“

Von Moskitos zerstochen und mit der Hoffnung auf Besserung von Matthias Ohren machen wir uns auf in höhere Gefilde: San Jose del Pacifico. Unser Weg führt auf einer Strecke von 150 km über gefühlt 7641 Serpetinen, die zusätzlich durch die Schlagloch-Dichte Matthias‘ Aufmerksamkeit bis zur Erschöpfung fordern, von 0 auf 2.500 Höhenmeter. Dabei kommen wir anfangs wie so oft, an vielen Ortschaften vorbei, in denen man Markenzeichen wie Coca Cola oder Bridgestone oder den Namen des eigenen Geschäfts mit Pinsel und Farbe an Hausmauern anbringt – mal sieht es fast wie ein Druck oder kleines Kunstwerk aus, manchmal aber auch wie von der Hand eines Volksschülers gemalt. In den unbewohnten Gegenden fühlen wir uns dann als wären wir auf hawaiianischen Dschungelstraßen unterwegs, die sich mit zunehmender Höhe in einen Nadelwald und kurz vor San Jose dann in einen Nebelwald verwandeln.

Da wir mit dem Angebot auf Booking.com sowie auf Airbnb nicht besonders glücklich waren, fahren wir hier erstmalig auf unserer Reise einfach ohne Reservierung hin, geben uns aber mit der zweiten Unterkunft zufrieden und beschließen 3 Tage zu bleiben. Erste Tat nach Ankunft: in lange Hosen schlüpfen und Pullis überwerfen, wobei die Temperaturen auf alle Fälle eine willkommene Abwechslung zur schwülen Hitze an der Pazifikküste sind. In dem 350-Einwohner:innen-Dorf, in dem man sich bei der Betrachtung mancher Gesichter und körperlicher Konfigurationen wieder daran erinnert, dass genetische Nähe bei der Fortpflanzung oftmals Nachteile mit sich bringt, fühlen wir uns bei der Ankunft zuerst mal wie in einem Wattebausch. Einerseits wegen der geringen Dichte an Menschen und andererseits wegen des dichten Nebels, der die Akustik zu verschlucken scheint und alle Gespräche wie im Flüsterton erscheinen lässt. Warum der Nebel als Touristen-Highlight gehandelt wird, verstehen wir am Tag unserer Ankunft noch nicht. Klar wird uns das erst am darauffolgenden Tag, an dem uns tagsüber die Sonne wärmt und sich der Nebel am späten Nachmittag diesmal nicht nur als eine graue Wand zeigt, sondern sich mystisch um die Bergkuppen legt und wir bei Sonnenuntergang über dem Nebel in den weit zurückgelehnten Holzstühlen unserer Unterkunft ein beeindruckendes Farbenspiel beobachten dürfen.

Mit den Einheimischen fangen wir hier leider eher weniger an, da wir meist nur genervt wirkenden Menschen begegnen. Ob hier einfach nur überproportional viele Einzelpersonen gleichzeitig einen oder mehrere schlechte Tage haben, man es allgemein lästig findet, wenn man sich wegen eines Konsumenten bewegen muss oder die Menschen hier grundsätzlich null Bock auf (weiße?) Touris haben, können wir natürlich nicht genau sagen. Wir widmen uns in San Jose daher voll und ganz der Natur und treiben uns vor allem in den magischen Wäldern herum, die ein Sammelsurium aus überdimensionierten Agaven- und Kakteenpflanzen sowie hochgewachsenen, bemoosten und mit Tillandsien bewachsenen Bäumen sind, deren äußerste knorrige Baumrinde vermutlich jeweils eine lange Geschichte zu erzählen hat. An einem der Tage wandern wir – wie können es selbst noch nicht ganz glauben – sogar einmal bis ganz hinauf auf den Berggrat, um dort Matthias enttäuscht feststellen zu lassen, dass es keine Lichtung gibt, sondern das Ziel einfach nur ein Weg ist. Eine gute Jause aus unserem vollbepackten Rucksack richtet’s dann aber schnell wieder!

Auf unserem Weg zurück nach Oaxaca kommen wir noch mal an vielen Comedores (Imbisse am Straßenrand) vorbei, an denen über Feuer gekocht wird und erleben an dem „Instagram-tauglichen“ Schauplatz Hierve el Agua touristisch das absolute Kontrastprogramm zu San Jose del Pacifico. Die Gesteinsformationen, die wie schmelzendes Kerzenwachs aussehen und kleine Wasserreservoirs bilden, sind wirklich schön anzusehen, würde es dort nicht von Menschen wimmeln, die sich in knalliger und extrem unpraktischer Kleidung in den Wasserbecken räkeln oder mit Stöckelschuhen über die unzähligen Stufen stolpern, nur um ein Instabild mit nachhause zu nehmen. Wir bleiben also nicht allzu lange und entscheiden uns bei der Weiterfahrt für eine Strecke ohne Maut, die uns zwar über einen unasphaltierten und sehr steinigen Weg, aber gleichzeitig über einen Bergkamm führt, der einen unglaublichen Ausblick bietet. Außerdem kommen wir so durch viele bunte und kaktusgesegnete Dörfer hindurch, die nun erstmalig so richtig stereotypisch mexikanisch aussehen. Von dem hohen Konzentrationsaufwand beim Autofahren in Mexiko bereits äußerst erschöpft, aber ohne in einem Schlagloch verloren gegangen zu sein, bei einem der tausenden Bremshügel die Achse gebrochen zu haben, einen Polizisten bestechen zu müssen oder bei einer vorgetäuschten Autopanne ausgeraubt zu werden, geben wir unser Auto schließlich in Oaxaca wieder ab. Vom Autofahren haben wir jetzt vorerst mal wieder genug.

Kleine Stärkung für die Bergfahrt. Kleine Stärkung für die Bergfahrt.
Ein düsterer Empfang. Ein düsterer Empfang.
Pozole & Sopa de Carne. Pozole & Sopa de Carne.
Hier gibts doch Sonne. Hier gibts doch Sonne.
Traumhaftes Sonnentagerl. Traumhaftes Sonnentagerl.
"Die Wiege der Schwammerl". "Die Wiege der Schwammerl".
Megazapfen - Megazapfen -
Und Megaagaven. Und Megaagaven.
Auffi aufn Berg. Auffi aufn Berg.
Berggratbesteigung. Berggratbesteigung.
Agavenpresse. Agavenpresse.
Vorbereitungen laufen. Vorbereitungen laufen.
Hierve el Agua. Hierve el Agua.
Verschnaufpause. Verschnaufpause.
Adios, bonita Oaxaca! Adios, bonita Oaxaca!

Ciudad de Mexico

Genau Mitte März 2024. „Schöner als gedacht.“

Von den Müllinseln und einer sehr armen Gegend rund um den Busbahnhof Oaxaca starten wir mit dem Bus nach Mexiko City. Es folgen 6 Stunden raue Kakteen- und imposante Gebirgslandschaften sowie eine üble Vergewaltigung durch die Klimaanlage, die natürlich einen kratzigen Hals und belegte Nebenhöhlen hinterlässt. Bepackt mit vielen Warnhinweisen von diversen Reisenden, die wir in den letzten Monaten getroffen haben und deren Freunde oder Verwandte in Mexiko City ausgeraubt oder sogar getötet wurden, haben wir uns diesmal mit Absicht ein Zimmer in einem Stadtviertel genommen, in dem es nur so von internationalen Touristen wimmelt und in dem offensichtlich nur die „Rich Kids“ wohnen. Man muss ja nicht immer ganz nah an den Einheimischen sein – zumindest nicht in einer Stadt, in der die Wahrscheinlichkeit, zur falschen Zeit am falschen Ort mit seinem Leben zu bezahlen, überproportional hoch ist.

Unsere Gegend ist nahezu unwirklich grün und beherbergt viele Wohnhäuser, die in ihrer Architektur dem österreichischen Altbaustil sehr nahe kommen und zusätzlich sehr viele verspielte und verschnörkelte Züge aufweisen. Auch bei der 3-stündigen Free Walking Tour durch die Stadt treffen wir auf haufenweise imposante Bauwerke, die eine lange Geschichte verraten und die Mexiko City gar nicht so „böse“ erscheinen lassen wie es die vielen wilden Geschichten suggerieren. Von unserem Tourguide Miguel, einem jungen und ambitionierten Geschichtelehrer, erfahren wir, dass sich vor allem Porfirio Diaz Anfang des 20. Jahrhunderts zum Ziel gesetzt hat, aus Mexiko City eine „City of Palaces“ zu machen und dabei die Meinung vertrat, dass die Stadt nur mit europäischer Baukunst wirklich schön werden würde. Und auch wenn es natürlich schade ist, um all die Pyramiden und aus Stein errichteten Stätten der prähispanischen Hochkulturen, so können auch wir dem nur zustimmen, dass diese monumentale und aber auch sehr feinen Baustile der Stadt jedenfalls einen besonderen Flair verschaffen. Dazu kommen aber auch noch die vielen Grün- und Freiflächen, die zum Zeitpunkt unseres Besuchs übersäht sind mit faszinierend violett blühenden Jacaranda-Bäumen. Miguel weiht uns während der Führung auch noch in viele mexikanische Legenden ein, die maßgeblichen Einfluss auf die Denkweise der Bevölkerung haben, und erzählt uns, dass die Mexikaner:innen außerdem Heilige für alles und jeden haben, so zum Beispiel auch für die Kartelle und Straßendiebe, die in schlechten Zeiten natürlich ihre Ikonenstatuen aufsuchen, um deren Unterstützung anzufordern. Außerdem bekommen wir Tipps, wo man sich in der Stadt gefälschte Reisepässe und Doktortitel kaufen kann, und erfahren, dass Mexiko City die Stadt mit den meisten Museen weltweit sein soll, weshalb wir nach der Stadtführung kurzerhand noch das Museo de Bellas Artes besuchen, das wie fast alle Museen der Stadt sonntags freien Eintritt hat und in dem viele spannende Ausstellungen unsere Äuglein verwöhnen.

Trotz einer bereits im Vorfeld entschuldigenden Nachricht unserer Airbnb-Gastgeberin, dass es vielleicht zu Wasserproblemen kommen könnte, sind uns weitere eingeschränkte Dusch- oder Klospülungsepisoden erspart geblieben. Ironisch eigentlich, dass gerade diese Stadt mit Wasserknappheit kämpft, während sie auf einem See- bzw. Sumpfgebiet erbaut wurde und aufgrund dieses suboptimalen Fundaments und des Wachstums der Stadt an manchen Stellen bis zu 40cm im Jahr absinkt und sozusagen „am Ertrinken“ ist. Ansonsten befinden wir uns am Ende unseres Aufenthalts in Mexiko City gedanklich schon in Argentinien, da wir aufgrund diverser (teilweise auch willkommener) Hindernisse der letzten Wochen, wie Internetverbindungsschwierigkeiten oder kaputtem Netzteil für den Laptop, unsere Weiterreise bisher kaum geplant haben. Wie so oft kann dann schon mal ein ganzer Tag nur mit Unterkunftssuche, Routenplanung, Workaway-Überlegungen und Vergleichen von Bus-, Bahn- oder Flugpreisen draufgehen. Belohnt wird so ein Orga-Tag dann meist mit einem guten Essen oder in dieser Großstadt dann auch mal mit einem Kinobesuch, bevor wir uns schließlich ohne unser Pfefferspray in jemandes Gesicht wirken lassen zu müssen, von Mexiko verabschieden.

Überfahrt nach Mexiko Stadt. Überfahrt nach Mexiko Stadt.
MexMetro mit Matts. MexMetro mit Matts.
Alebrijes. Alebrijes.
Schlauer Erbauer. Schlauer Erbauer.
Quetzalcoatls Überbleibsel. Quetzalcoatls Überbleibsel.
Vishnus Bruder. Vishnus Bruder.
Palacio de Bellas Artes. Palacio de Bellas Artes.
Innenleben. Innenleben.
Nudelaug und Nackedei. Nudelaug und Nackedei.
Schlaraffenland. Schlaraffenland.
Einmal Mango mit alles und scharf. Einmal Mango mit alles und scharf.
Augenschmaus. Augenschmaus.
Colonia Condesa. Colonia Condesa.
Kommen Sie, kommen Sie :) Kommen Sie, kommen Sie 🙂

BliBlaBlub

Und auch in Mexiko hat es uns nie an Motiven gefehlt 🙂

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Letzte Aktualisierung: 26.05.2024

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